Emotionale Intelligenz

  1. Die Entmystifizierung der Emotionen
  2. Emotionale Kompetenzen
  3. Emotionale Kompetenzen in speziellen anwendungsgebieten
  4. Die Bedeutung emotionaler Kompetenzen beim Bewerbungsgespräch

4. Die Bedeutung emotionaler Kompetenzen beim Bewerbungsgespräch

Stellen Sie sich vor, Sie hätten in Kürze ein wichtiges Bewerbungsgespräch. Wie könnten Sie nun die oben diskutierten Konzepte konkret auf den Fall Ihrer Arbeitssuche anwenden? Mit anderen Worten, welche Persönlichkeitseigenschaften und Emotionalen Kompetenzen wären bei einer bestimmten Arbeit von Vorteil, und wie könnten Sie diese am besten einsetzen? Im Folgenden erhalten Sie Hinweise, die Ihnen in Bewerbungssituationen aber auch an Ihrem künftigen Arbeitsplatz helfen sollen.

Die eigenen Gefühle lenken und regulieren

Natürlich ist es wichtig, die eigenen Gefühle während eines Gesprächs regulieren zu können. Sonst müssten Sie womöglich befürchten, dass diese Sie während der Unterhaltung lähmen. Wenn Sie andererseits zu kontrolliert und steif sind, könnten Ihre Gesprächspartner Sie für kalt und distanziert halten. Da nun aber Gefühle der Unsicherheit in solchen Situationen normal sind, wäre es sinnvoll zu wissen, wie Sie normalerweise bei Unsicherheit reagieren. Sie könnten z.B. Ihre Familie und Freunde fragen, welche Anzeichen und Verhaltensweisen Sie bei Ihnen bei Unsicherheit oder Aufregung bemerkt haben. Dann sollten Sie lernen, die Anzeichen, die sich in einer Bewerbungssituation am nachteiligsten auswirken könnten, zu erkennen. Non- verbale Signale wie Blickkontakt, Lächeln, Ausdruckskraft, die Modulation der Stimme, die Beherrschung der Sprache (z. B. Rhythmus) und eine ruhige, offene Körperhaltung sind ausgezeichnete Werkzeuge, um Ihre Gesprächspartner zu beeindrucken. Aber kontrollieren Sie Ihr Verhalten nicht zu sehr, in der Regel ist Ihr Gegenüber durchaus in der Lage zu erkennen, ob Sie authentisch sind oder nur eine Rolle spielen.

Die Gefühle des Interviewers positiv beeinflussen

Obwohl die meisten Kandidaten mit ihren eigenen Gefühlen beschäftigt sein werden, kann es wichtig sein zu wissen, wie der Gefühlszustand des Interviewers zu beeinflussen ist. So haben Untersuchungen gezeigt, dass Interviewer, die positiv gestimmt sind, die Kandidaten besser bewerten, besonders, wenn bei den Bewerbern keine eindeutigen Qualifikationen vorliegen. Auîerdem bevorzugen die meisten Menschen Personen, die Ihnen in Persönlichkeit und Wertvorstellungen ähneln. Um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen und dadurch einen guten Eindruck zu vermitteln, ist es also gut, die Werte und Einstellungen des Gesprächspartners sowie seine Art des Ausdrucks (schnell oder langsam, ruhig oder enthusiastisch) zu berücksichtigen, und sich auch entsprechend an seine Art anzupassen.

Das emotionale Klima einer Organisation

Wenn Sie die Prospekte eines Unternehmens oder eine Jobbeschreibung lesen, oder wenn Sie an einem Gespräch teilnehmen bzw. mit Mitarbeitern dieser Firma sprechen, ist es von Nutzen, das emotionale Klima der Organisation zu "erfühlen". Stellen Sie sich z.B. eine hoch dynamische Firma vor, deren Mitarbeiter schnell und sehr flexibel arbeiten. Wenn Sie nun aber eher ruhig sind und ständige Veränderung nicht schätzen, würden Sie in dieser Firma wohl nicht sehr glücklich. Ein eher konservatives Unternehmen mit klaren Regeln und Abläufen könnte Ihnen und Ihren Kompetenzen hingegen sehr gut entsprechen.

Emotionale Kompetenzen am Arbeitsplatz

Unabhängig vom emotionalen Klima eines Unternehmens erfordern bestimmte Berufe spezifische Emotionale Kompetenzen. Es ist beispielsweise sehr wichtig seine Gefühle unter Kontrolle zu haben, wenn man mit aggressiven Klienten schwierige Verhandlungen zu führen hat. Die Fähigkeit, die Gefühle anderer zu regulieren, ist auch in medizinischen Berufen hilfreich, da bei der Verordnung angemessener Behandlungsmethoden die Gefühle des Patienten berücksichtigt werden sollten. So kann z.B. eine optimistische Einstellung des Patienten gegenüber der eigenen Erkrankung den Heilungsprozess unterstützen. Aber auch im kaufmännischen Bereich ist es wichtig, die eigenen Emotionen angemessen ausdrücken und den Gefühlszustand anderer erschlieîen zu können. So sollte etwa ein Handelsvertreter in der Lage sein, den Gefühlszustand seines Kunden richtig zu deuten und seine Verkaufstechnik dementsprechend anpassen.

Die eigenen emotionalen Kompetenzen ehrlich einschätzen

Obwohl es notwendig ist, sich an die Umgebung anzupassen, kann es noch wichtiger sein, zunächst die eigenen emotionalen Kompetenzen ehrlich zu bewerten, bevor man sich auf ein Bewerbungsgespräch vorbereitet oder eine bestimmte Organisation auswählt. Es wird in beruflichen Situationen immer unerlässlich sein, seine Emotionen zu kontrollieren und sich auf bestimmte Weise darzustellen. Dennoch sollte man die eigenen Stärken und Schwächen kennen und versuchen, sich neue Kompetenzen und Qualifikationen anzueignen. Wenn Sie eine Rolle "spielen", die zu sehr von Ihren Kompetenzen abweicht, werden Sie sich über kurz oder lang unwohl und unglücklich fühlen. Menschen, die über keine Qualifikationen im Finanz- und Rechnungswesen verfügen, werden sich wohl kaum für einen Bankiersposten bewerben. Dasselbe gilt für Emotionale und Soziale Kompetenzen: es wäre seltsam, wenn Menschen, die über eine bestimmte Emotionale Kompetenz nur sehr gering verfügen, diese dennoch vortäuschten, um sich für einen Posten zu bewerben, der diese Qualifikationen erfordert.

Die _berprüfung Ihrer Emotionalen Kompetenzen

Es ist möglich, dass Sie in einem Bewerbungsgespräch durch die Konfrontation mit verschiedenen Situationen hinsichtlich Ihrer Emotionalen Kompetenzen überprüft werden. Diese Bewertung Ihrer Fähigkeiten kann z.B. mit Hilfe sogenannter "assessment center" erfolgen, wobei diese Technik sowohl zeit- als auch kostenintensiv ist. Deshalb haben sich bestimmte Unternehmen und Einrichtungen für einfachere interne Verfahren entschieden, z.B. :

  1. anstrengende Gesprächssituationen, in denen Sie sich mehreren Interviewern stellen müssen, die Ihnen schwierige Fragen stellen und Problemsituationen präsentieren;

  2. Sie werden mit physisch unangenehmen Situationen konfrontiert, ( z.B. mit einer hohen Zimmertemperatur oder unbequemen Stühlen), um zu prüfen, ob Sie auch unter solchen Bedingungen weiter an schwierigen Problemen arbeiten können;

  3. Sie werden gebeten unter Zeitdruck unlösbare Probleme zu lösen, dabei wird beobachtet, wie Sie mit Rückschlägen und aufkommender Mutlosigkeit umgehen. Es kann also sinnvoll sein, sich vorher zu überlegen, welche Anforderungen in einem bestimmten Beruf an Sie gestellt werden. Auf diese Weise könnten Sie die geforderten Kompetenzen entwickeln und sich so gezielt auf das Gespräch vorbereiten.

Verbesserung der Qualifikationen für die Zukunft

Evaluationen der Emotionalen Kompetenzen aber auch entsprechende Lehrgänge können gute Methoden sein, um jene Fähigkeiten zu bewerten und zu entwickeln. Unglücklicherweise sind die meisten zurzeit auf dem Markt befindlichen Schulungen sowie Tests zur Evaluation nicht hinreichend validiert. Deshalb können sich die Versprechen vieler Anbieter als trügerisch erweisen. So lassen sich Emotionale Kompetenzen durchaus bis zu einem bestimmten Grad verbessern; es gibt jedoch kein Zaubermittel, welches diese Verbesserung in zwei oder drei Stunden bewirken könnte. Auîerdem profitieren verschiedene Menschen, abhängig von ihren Persönlichkeitsprofilen, unterschiedlich stark von bestimmten Lehrangeboten. Schlussfolgernd lässt sich also sagen, dass es sinnvoller ist, an der Verbesserung spezifischer Kompetenzen zu arbeiten, als sich an allgemeinen Veränderungen des Typs "Lösung für alles" zu versuchen. Damit Sie sicher gehen bei einem Kurs oder Test richtig zu investieren, sollten Sie sich kritisch mit der Wahl der Tests und der Lehrgänge auseinandersetzen, sowie die Qualifikationen der durchführenden "Spezialisten" sorgfältig prüfen.

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