Coaching

  1. Management oder persönliche Entfaltung
  2. Ursprung des "Coachings", die Rolle des "Coaches"
  3. Anwendung und Ziele
  4. Wo wird Coaching eingeordnet?
  5. Die verschiedenen Coaching-Typen
  6. Ausbildung der Coaches und Spezialisierung
  7. Interview

7. Interview

Als Direktor eines Finanzinstituts der Romandie, ist Herr Jean N.* verantwortlich für die Entwicklung neuer Produkte für einen sehr umworbenen Markt. In dieser Funktion führt er ein Team von über 50 Mitarbeitern, wovon sich einige im Ausland befinden. Er musste das Team in relativ kurzer Zeit zusammenstellen und er hat sich mit dieser Aufgabe total indentifiziert. Es stellte sich die Frage der Zielsetzung des Projekts, welche allen Mitarbeitern vermittelt werden musste, ebenso wie der Managementstil für dieses Team.

* Person und Unternehmen sind der Redaktion bekannt

S & C: Wie sind Sie mit dem Konzept und der Praxis des Coaching in Kontakt gekommen?

Einer meiner besten Mitarbeiter wurde ausgewählt, um eine neue Strategie umzusetzen und die Tätigkeiten eines ganzen Teams zu koordinieren. Ich wurde mir schnell bewusst, dass er mit gewissen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, weil seine Verantwortung viel grösser geworden war. Wir haben die Sache mit der Personalabteilung besprochen und es wurde uns empfohlen, einen Coach beizuziehen. In einer ersten Phase und mit meinem Einverständnis handelte es sich um einen Schritt, den mein Mitarbeiter auf persönlicher Basis unternahm. Aber sehr rasch wollte er seine Erfahrung mit mir teilen.

S & C: Was brachte Ihnen dieseTeilnahme?

Ich stellte fest, dass ihm der Prozess, in welchem er sich befand, eine bessere Standortsbestimmung ermöglichte in Bezug auf die Zielsetzung der Aufgabe, die ihm anvertraut worden war, weil er sich bewusst wurde, wie er selbst funktioniert, wie er auf seine Gruppe wirkt und wie seine Beziehung zu mir aussieht. Dieses Abstandnehmen und die Unterstützung, die ihm zuteil wurden, führten zu einer stark verbesserten Weiterentwicklung des Projektes. Das vorgehen war unserer Situation angepasst, ohne wesentliche organisatorische Einschränkungen.

S & C: Warum haben Sie sich ebenfalls an diesem Prozedere beteiligt?

Unsere sehr anspruchsvolle Aufgabe liegt sowohl auf dem Gebiet der Kunden als auch innerhalb des Unternehmens. Unsere Mitarbeiter bearbeiten bedeutende Projekte, die eine andersartige Gruppenführung erfordern. Der Einsatz im Verhältnis zur Bedeutung der Unternehmens und des Projektziels, das Erkennen interner Fähigkeiten, die verschiedenen persönlichen Handlungsweisen und das Erledigen des Tagesgeschäfts sind viele Faktoren, die nicht immer leicht zu bewältigen sind. Ich entschloss mich folglich, "betreut" zu werden. Dies half mir, eine berufliche Bestandesaufnahme zu machen, Abstand zu gewinnen und andern besser zuzuhören. Von Natur aus sehr unternehmerisch, hatte ich die Tendenz, viel Platz für mich in Anspruch zu nehmen.Was mir am Prozedere ebenfalls gefällt, ist die Tatsache, dass Analyse und Bewertung des "hier und sofort" den Weg weisen, wie gehandelt werden muss.

S & C: Trifft der Coach nicht die Entscheidungen an Ihrer Stelle?

Auf keinen Fall! Die Position des Verantwortlichen birgt eine gewisse Einsamkeit in sich, und er empfindet die Möglichkeit als sehr positiv, mit einem externen Spezialisten einen offenen Gedankenaustausch über berufliche Aspekte zu pflegen. Es handelt sich nicht bloss um eine Diskussion, sondern um Methodik, die gestattet, den Sinn unserer Handlungsweise sichtbar zu machen, diese zu strukturieren und Feed-back zu erhalten. Auch versteht man die Bedürfnisse anderer besser und lernt sich gleichzeitig selbst kennen. Das erleichtert die Entschlussfassung und das Miteinbeziehen Dritter in die berufliche Leidenschaft. Der Coach drängt sich nicht auf, aber er ist verfügbar. Er hält mir einen Spiegel vor und ermuntert mich, mir eine gewisse Anzahl Fragen zu stellen. Die Antworten stammen nicht von ihm.

S& C: Wie haben Sie Ihren Coach ausgewählt?

Das war kein Zufall. Ich habe einige von ihnen getroffen. Wir haben uns über Methoden, aber auch über Beziehungen unterhalten. Schlussendlich, jenseits der "Schule" welcher sie angehören, aber auch jenseits ihrer beruflichen Ausbildung, handelt es sich um Fragen der Persönlichkeit, der Sympathie, der Transparenz und der Verfügbarkeit. Ich wählte also meinen Coach im Bewusstsein dieser Faktoren, und die Stütze, die er mir bietet, passt mir gut, sowohl für mich selbst als auch für die Gruppenführung und für das Team-building. Es ist selbstverständlich, dass sich diese berufliche Beziehung im Rahmen eines schriftlichen Vertrages abspielt, welcher sämtliche Einzelheiten enthält: Vertraulichkeit, Art und Anzahl der Inverventionen, Dauer, Art der Kommunikation (mündlich, telephonisch, Internet).

S & C: Welche Ansicht haben Sie abschliessend über das Coaching?

Das vorgehen braucht etwas Mut, gibt aber unseren vorhaben einen Sinn. Es erlaubt eine Standortsbestimmung in unserer Welt, die sich ständig weiterentwickelt. Es stellt eine individuelle Unterstützung dar, die man den besten Elementen zukommen lassen sollte, damit sie die andern mitreissen. Die Personalchefs sollten sich ihm zur Weiterbildung vielleicht ebenfalls unterziehen. Wenn das Coaching in den angelsächsischen Ländern wie auch in Frankreich und der Deutschschweiz schon sehr verbreitet ist, habe ich den Eindruck, es gelte in der Romandie noch als Neuheit. In meinem Umfeld war ein Kommentar charakteristisch: "Endlich jemand der dich in deiner Arbeit begleitet!". Das Coaching erlaubt, persönliche Probleme im voraus zu erkennen (mangelnde Orientierung, Müdigkeit), die eine globale Verantwortung mit sich bringen kann. Das Coaching lehrt uns ebenfalls, die Fähigkeiten anderer zu sehen und ihren Wert anzuerkennen.

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